Reformationstag – 31. Oktober 2008

Predigt zu Philipper 2,12 – 13

12. Also, meine Lieben, – wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit, – schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern.
13. Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

 

Liebe Gemeinde!
I. Einer der Hauptgründe, welche Martin Luther dazu veranlasste am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg anzubringen, war der Ablass. Der Ablass stand in engem Zusammenhang mit der Heiligenverehrung und vor allem mit dem Reliquienkult. Abgesehen davon, dass der Ablass, bzw. der Reliquienkult für die damalige Katholische Kirche ein lohnendes Geschäft war, muss man ihn in dem Licht sehen, wie wir es uns heute (nach Aufklärung und Rationalismus) so gar nicht mehr vorstellen können: die Menschen des Mittelalters hatten Angst davor, was nach ihrem Tod kommen würde, nämlich das Gericht und das Fegefeuer und die Strafen der Hölle. Diese Angst wurde von der Kirche geschürt; vor allem wurde die Unwissenheit und der Aberglaube der Menschen ausgenützt [Wer den LUTHER – Film gesehen hat, erinnert sich, an die Szene in welcher der Ablassprediger Tetzel mit theatralischen Gesten das Fegefeuer in Szene setzt und so den Menschen richtiggehend Angst einjagt]. Es ist für uns heute doch erstaunlich, wie sich die Menschen damals das Problem stellten; natürlich aufgrund der damals gängigen kirchlichen Lehre: die Kirche verwaltet einen Schatz von guten Werken und wenn ich davon etwas abbekomme, dann komme ich mit Gott zurecht und Gott kommt mit mir zurecht. Für viele spielte es gar keine Rolle wie man an die Reliquie heran kam: es wurden auch Reliquien gestohlen, es wurden Reliquien „erfunden”. Unser Bibelwort hat – indem es missverstanden wurde – auch dazu beigetragen, um kirchliches Handeln in diesem Bereich zu legitimieren: „Schaffet dass ihr selig werdet mit Furcht und Zittern.” Aus dem Kontext heraus gelöst, kann diese Aufforderung wirklich missverstanden werden. Um so mehr ist es eine Herausforderung, uns mit diesem Text auseinanderzusetzen, welche die Perikopenordnung unserer Evangelischen Kirche als Predigtwort für den Reformationstag 2008 vorsieht.

  

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